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23. Juli 2015
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Die Zinstricks der Starinvestoren

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Seit Jahren stehen die Anleihemärkte unter der Fuchtel der Notenbanken.

Bill Gross, Marc Faber und Co. über die Zinstricks der Starinvestoren.

WirtschaftsWoche: Bill, welche Strategie fährt der größte Anleiheinvestor der Welt? Können wir uns bei fünfjährigen Anleihen parallel zur abnehmenden Restlaufzeit auf einen Anstieg der Kurse einstellen?

Bill Gross: Das ist unsere Strategie – den sogenannten Roll-down-Effekt zu nutzen.

Der entsteht, wenn sich die Laufzeit von Anleihen verkürzt: Wird aus einer fünfjährigen Anleihe im Zeitablauf eine vierjährige, so entsteht automatisch durch die Abschmelzung der Laufzeit ein Kursgewinn. Je steiler die Renditekurve ist, auf der ein Anleger herunterrutscht, umso größer ist dieser automatische Kursgewinn.

Gross: Aktuell ist die Zinsstrukturkurve sehr steil. Die Renditen am kurzen Ende liegen bei nur 0,25 Prozent, aber bei stolzen 3,75 Prozent am langen Ende. In den Erwartungen der Anleger ist folglich eine kräftige Erhöhung der Leitzinsen berücksichtigt. Wenn die Anleger falsch liegen…

…die Renditen also eher stagnieren…

Gross: …dann wird die Roll-down-Strategie funktionieren.

Papiere mittlerer Laufzeit, die noch einen relativ hohen Kupon bieten, werden also dann im Kurs anziehen. Welche Laufzeiten sind am attraktivsten?

Gross: Am meisten Chancen, wenn die Kurve steil bleibt, aber auch das höchste Risiko, wenn sie abflacht, liegen bei fünf- bis sechsjährigen Laufzeiten. Eine Strategie, bei der man in kurz- und langfristige Papiere investiert, jedoch nicht in mittelfristige, ist weniger riskant, aber die Renditen sind geringer. Wir bevorzugen fünfjährige Anleihen.

Marc Faber: Ich habe zehnjährige Staatsanleihen gekauft, als die Renditen auf drei Prozent gingen. Mittelfristig könnten die Renditen auf 2,0 Prozent fallen…

…und damit die Kurse steigen…

Faber: …denn ich glaube nicht an diese großartige Erholung der US-Konjunktur. Sie wird nach unten drehen, und die Anleiherenditen werden fallen.

Gross: Private Anleger brauchen von den Notenbanken eine Orientierungshilfe, um ihre Finanzierungskosten abschätzen zu können – und um hoffen zu können, dass sie mit Anleihen wieder Geld verdienen. Nur dann werden Investoren künftig anstelle der Fed Bonds kaufen. Im Mai, als die Fed die Drosselung ihrer Kaufprogramme andeutete, kam es zu Marktstörungen. Wenn die Anleger den Zentralbanken und ihren Prognosen nicht glauben, drohen weitere.